Depakote® (Divalproex): Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Divalproex (in Österreich: Natriumvalproat/Valproinsäure) |
| Handelsnamen in Österreich | Ergenyl®, Convulex®, Depakine® (Depakote® selbst ist vor allem in den USA gebräuchlich, in Österreich gelten die genannten Handelsnamen) |
| ATC-Code | N03AG01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Wirkstärken | - Filmtabletten: 150 mg, 300 mg, 500 mg, 1.000 mg Retardtabletten
- Sirup/Saft
- Retardkapseln
- Injektionslösung (klinisch)
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| Hersteller | Sanofi, GEROT Lannach, Aristo Pharma |
| Verschreibungsstatus | Rezeptpflichtig gemäß BGBl. 195/2012 |
Wirkmechanismus
Für Betroffene: Divalproex hilft dabei, das Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe (Neurotransmitter) im Gehirn wiederherzustellen, was bei der Kontrolle von Anfällen, Stimmungsschwankungen und Migräneattacken unterstützt.
Für Fachkreise: Die antikonvulsive und stimmungsstabilisierende Wirkung basiert u. a. auf der Erhöhung der GABA-Konzentration durch Hemmung der GABA-Transaminase, Beeinflussung von Natrium- und Calciumkanälen sowie einer Modulation exzitatorischer Transmitter. Divalproex wird rasch zu Valproinsäure hydrolysiert, seine Wirkung entfaltet sich systemisch.
Pharmakokinetik
- Resorption: Je nach Zubereitung rasch (Saft, Tablette) bis verzögert (Retardformen; Tmax ca. 4–17 Std.)
- Metabolisierung: Über die Leber (v.a. Glucuronidierung, β-Oxidation)
- Elimination: Überwiegend renal, als Metabolite ausgeschieden
- Wirkdauer: Retardierte Präparate erlauben eine 1–2x tägliche Einnahme; HWZ: 8–16 Stunden (alters- und dosisabhängig)
Anwendung im Alltag & Best-Practice für Österreich
Typische Dosierung und Anwendung: Die Dosierung ist individuell anzupassen und wird meist einschleichend gesteigert. Beginn oft mit 10–15 mg/kg KG/Tag, Zielwert bei 20–30 mg/kg KG/Tag (abhängig von Indikation). Die Tabletten sollten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Sirup eignet sich für Kinder oder Personen mit Schluckbeschwerden.
- Halbieren oder Zerkauen der Tabletten wird nicht empfohlen (dosisabhängige Wirkung und Schutz der Retardierung)
- Die regelmäßige Einnahme zur gleichen Tageszeit fördert die Wirksamkeit und Verträglichkeit
- Laborkontrollen (Leberwerte, Blutbild, Valproat-Spiegel) sind regelmäßig notwendig
Einnahme am Morgen versus Abend
- Vorteile Morgeneinnahme: Günstig bei Tagesanfällen, für bessere Wachsamkeit; leichter in die Alltagsroutine einzubauen
- Vorteile Abendeinnahme: Günstig bei Nebenwirkungen wie Müdigkeit; empfohlen bei Einschlafstörungen unter der Therapie
- Retardtabletten für 1x tägliche Gabe bevorzugt abends
- Tipp: Immer zu denselben Uhrzeiten einnehmen, um Blutspiegelschwankungen und Wirksamkeitsverlust zu vermeiden!
Einnahme zu oder nach den Mahlzeiten
- Valproat kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden; meist wird die Einnahme nach dem Essen empfohlen – insbesondere bei Magenbeschwerden
- Die Verträglichkeit verbessert sich bei Einnahme mit einer typischen österreichischen Mahlzeit (z.B. Joghurt, Brot)
- Alkohol sollte vermieden werden, da sich Nebenwirkungen und die Leberbelastung verstärken können
- Stark fetthaltige Speisen können die Resorption verzögern, was bei Retardpräparaten zu beachten ist
Wechselwirkungen
| Substanz/Gruppe | Mögliche Wechselwirkung | Empfehlung |
| Alkohol | Verstärkte Sedierung, erhöhte Lebertoxizität | Vermeiden |
| Antiepileptika (z.B. Carbamazepin, Lamotrigin) | Veränderte Wirkspiegel, mehr Nebenwirkungen | Dosisanpassung, engmaschige Kontrolle |
| Aspirin (ASS) | Erhöht freies Valproat im Blut | Vorsicht bei Kombination |
| Antidepressiva, Antipsychotika | Erhöhte Nebenwirkungsgefahr, Wirkspiegelschwankungen | Klinische Überwachung nötig |
| Orale Kontrazeptiva | Keine relevante Wirkung auf Valproat, aber Wechselwirkungen mit anderen Antiepileptika möglich | Arzt/Ärztin befragen |
| Proteinreiche Kost / Diäten | Geringfügiger Effekt auf Plasmaspiegel | Keine Anpassung nötig |
Indikationen
| Indikation | Status | Hinweise |
| Epilepsie (versch. Formen, v. a. generalisierte Anfälle) | Zugelassen | Standardtherapie bei Kindern und Erwachsenen |
| Bipolare Störung (v.a. manische Episoden) | Zugelassen | Stimmungsstabilisierer, v. a. bei Unverträglichkeit von Lithium |
| Migräneprophylaxe | Zugelassen | Zweck: Vermeidung häufig wiederkehrender Attacken |
| Off-Label: Borderline-Störung, neuropathische Schmerzen | Off-Label | Nur nach expliziter ärztlicher Anordnung |
Dosierung nach Indikation (Erwachsene, Kinder, Senioren)
| Indikation | Erwachsene | Kinder/Jugendliche | Ältere Menschen |
| Epilepsie | Beginn: 600 mg/Tag, Steigerung auf 1.000–2.000 mg/Tag (evtl. mehr nach Bedarf/Blutspiegel) | Beginn: 10–15 mg/kg KG/Tag, Ziel: 20–30 mg/kg KG/Tag | Vorsichtige Steigerung, meist niedrigere Zielwerte |
| Bipolare Störung | 750–1.500 mg/Tag, nach Wirkung | s. o. (nach kg Körpergewicht) | Langsam einschleichen, sorgfältige Überwachung |
| Migräneprophylaxe | 500–1.000 mg/Tag | i.d.R. nicht empfohlen | Besonders niedrige Dosen, monitoren |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Nebenwirkungen/Warnhinweise |
| Sehr häufig (>10%) | Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen, Gewichtszunahme, Zittrigkeit, gelegentlich Haarausfall |
| Häufig (1–10%) | Erhöhte Leberwerte, allergische Hautreaktionen, Blutbildveränderungen, Appetitsteigerung |
| Gelegentlich (<1%) | Leberentzündung (v.a. Kinder), Bauchspeicheldrüsenentzündung, Störungen der Blutgerinnung, Polyzystisches Ovarialsyndrom |
| Selten (<0,1%) | Hirnfunktionsstörungen (Enzephalopathie), plötzlicher Tod bei Epilepsie |
- Wichtige Warnhinweise: Nicht in der Schwangerschaft oder bei Frauen mit Kinderwunsch ohne ärztliche Rücksprache (hohes Fehlbildungsrisiko)
- Leber- und Pankreaskontrollen sind essenziell, insbesondere im ersten Therapiehalbjahr
- Bei Anzeichen von Gelbsucht, starker Müdigkeit, Blutungen oder Hautreaktionen bitte umgehend ärztlichen Notdienst kontaktieren
Richtige Anwendung – Tipps und Beratung des Teams in der österreichischen Apotheke
- Regelmäßige Laborkontrollen (Blutbild, Leber-, Nierenwerte, Valproat-Talspiegel)
- Keine plötzliche Therapieunterbrechung wegen Anfallrisiko
- Informieren Sie Ihr ärztliches Team bei allen anderen Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln
- Tabletten immer im Blister aufbewahren, kindersicher lagern
- Die Anwendungsmenge stets mit Ihrem Neurologen/Psychiater abstimmen
- Bei Kinderwunsch, Schwangerschaft oder Stillzeit sofort behandelnden Arzt informieren
- Für Diabetiker: Valproat beeinflusst KEINE Blutzuckerwerte, verändert aber gelegentlich den Appetit
Alternativen zu Divalproex/Valproat (erstattungsfähige Medikamente laut österreichischer Kassen/NFZ)
- Lamotrigin (Lamictal®): Vorteil: Gutes Nebenwirkungsprofil, weniger Gewichtszunahme; Nachteil: langsame Dosissteigerung, Hautreaktionen
- Levetiracetam (Keppra®): Vorteil: Wenige Interaktionen, keine Leberbelastung; Nachteil: psychische Nebenwirkungen möglich
- Carbamazepin (Tegretol®): Vorteil: Auch bei Fokalepilepsie; Nachteil: Wechselwirkungen, Blutbildveränderungen
- Lithium (Quilonum®): Alternativ in der Bipolartherapie; Nachteil: Engmaschige Kontrolle, Gefahr der Überdosierung
- Topiramat, Gabapentin, Pregabalin: Einzelfallentscheidung, individuell unterschiedlich
Rechtlicher und Erstattungsstatus in Österreich
- Arzneimittelzulassung und Registrierung: Zentrale Zulassung bei der AGES (Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit, Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, BASG)
- Verschreibung: Rezeptpflicht (keine Abgabe ohne ärztliches Kassenrezept)
- Kostenerstattung: Aufnahme in die „Erstattungsliste“ des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, mehrheitlich Kassenleistung
- Dokumentationspflicht: Erfüllung sämtlicher Melde- und Pharmakovigilanzpflichten
Aktuelle Studien & Leitlinien (2022–2025)
- Die aktuelle S2k-Leitlinie der DGfE (Deutsche Gesellschaft für Epileptologie, 2024) empfiehlt Valproinsäure weiterhin als Mittel der Wahl bei generalisierten Epilepsien, bei Frauen im gebärfähigen Alter jedoch strikte Zurückhaltung (AWMF 022-021).
- Die ÖGP (Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, 2023) betont die Bedeutung in der Akuttherapie bipolarer Erkrankungen und fordert regelmäßige Risikonutzenabwägung (siehe oegpp.at).
- Eine österreichische Querschnittsstudie (Jahresbericht 2022) zeigte, dass die Therapieadhärenz durch Aufklärung in der Apotheke und Laborüberwachung signifikant verbessert werden kann (Bauer et al., European Journal of Clinical Pharmacology, 79(4), 2024).
- Migräneprävention: Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG 2023) sieht Valproinsäure als Reservemedikament für schwere Verläufe.
Verfügbarkeit & Lieferung (Stand 2024)
| Paketgröße | Inhalt | Listenpreis (UVP, €) | Lieferzeit Wien | Lieferzeit Graz | Lieferzeit Linz | Lieferzeit Salzburg* |
| Klein | 30 Retardtab. (300 mg) | ca. 18 € | sofort | 1–2 Tage | 1–2 Tage | 2 Tage |
| Mittel | 100 Retardtab. (500 mg) | ca. 37 € | sofort | 1–3 Tage | 2 Tage | 2–3 Tage |
| Liquidum | 200 ml Saft (150 mg/5 ml) | ca. 23 € | sofort | 1–2 Tage | 2 Tage | 2–3 Tage |
*Standartlieferung über regionale Apotheke. Alle Angaben ohne Gewähr, tatsächliche Preise und Verfügbarkeit können variieren.
FAQ – Häufige Patientenfragen zu Depakote® (Divalproex/Valproat)
- Kann ich Depakote/Valproat einfach absetzen, wenn es mir besser geht?
Nein, auf keinen Fall ohne ärztliche Rücksprache! Ein plötzliches Absetzen kann zu schweren, ggf. lebensbedrohlichen Krampfanfällen oder Rückfällen führen. Das Ausschleichen erfolgt stets langsam und unter Überwachung. - Wie wirkt sich das Medikament auf eine geplante Schwangerschaft aus?
Depakote® bzw. Valproat darf bei Frauen mit Kinderwunsch oder während einer Schwangerschaft nur in zwingenden Ausnahmefällen eingenommen werden. Es besteht ein hohes Fehlbildungsrisiko für das Kind. Sprechen Sie ausnahmslos mit Ihrem Arzt! - Was mache ich, wenn ich eine Tablette vergessen habe?
Nehmen Sie die vergessene Dosis sofort ein, wenn seit der vorgesehenen Einnahme erst wenig Zeit vergangen ist. Nähern Sie sich jedoch schon dem nächsten Einnahmezeitpunkt, lassen Sie die vergessene Dosis aus und nehmen Sie keinesfalls die doppelte Menge! - Kann ich mit Valproat problemlos Alkohol trinken?
Nein, auf Alkohol sollte wegen erhöhter Nebenwirkungen und Leberbelastung während der Therapie verzichtet werden, auch geringe Mengen können die Verträglichkeit beeinträchtigen. - Gibt es Unterschiede zwischen Depakote®, Ergenyl® und Depakine®?
Ja, es handelt sich um ähnliche Wirkstoffe (Valproinsäure, Divalproex, Valproat-Na) mit vergleichbarer Wirkung. Die Retardierung, die Freisetzung und die Genese der Präparate können jedoch variieren. Bei einem Präparatwechsel stets Rücksprache mit dem Arzt/der Ärztin und dem Apothekenteam halten!