Capecitabin – Umfassende Patienteninformation für Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Capecitabin |
| ATC-Code | L01BC06 |
| Handelsnamen in Österreich | Xeloda®, Generika (z.B. Capecitabin Accord, Capecitabin Zentiva, Capecitabin Actavis) |
| Pharmazeutische Formen | Filmtabletten |
| Verfügbare Stärken | 150 mg, 500 mg |
| Hersteller | Roche Austria GmbH, Accord Healthcare, Zentiva, Actavis |
| Rezeptpflicht | Verschreibungspflichtig (Arzneimittelgesetz § 1 [BGBl. I Nr. 42/1947 idgF]) |
| Erstattungsfähigkeit | Österreichische Sozialversicherung (NFZ): Teilweise/bedingte Kassenleistung, abhängig von Indikation und Bewilligung |
Wirkungsweise (Einfach & Spezialistisch erklärt)
Für Patient:innen: Capecitabin ist ein sogenanntes Zytostatikum, das im Körper gezielt Krebszellen daran hindert, sich zu teilen und zu wachsen. Es wirkt hauptsächlich bei bestimmten Krebsarten wie Brust- und Dickdarmkrebs. Das Arzneimittel wird nach der Einnahme in spezielle Stoffe umgewandelt, die direkt in den Tumorzellen ihre Wirkung entfalten.
Für medizinisches Fachpersonal: Capecitabin ist ein orales Prodrug, das in vivo über eine Enzymkaskade (primär Carboxylesterase, Cytidin-Deaminase, und abschließend Thymidin-Phosphorylase) zu 5-Fluorouracil (5-FU) metabolisiert wird. Die lokale Aktivierung in Tumorgewebe beruht auf einer erhöhten Tumor-Thymidin-Phosphorylase-Aktivität. 5-FU hemmt die Thymidylatsynthase und verursacht so eine Störung der DNS-Synthese in proliferierenden Zellen.
Pharmakokinetik (Aufnahme, Verstoffwechselung, Ausscheidung, Wirkdauer)
- Resorption: Nach oraler Einnahme rasch aus dem Gastrointestinaltrakt resorbiert, maximale Plasmakonzentration nach 1,5–2 Stunden.
- Metabolismus: Hepatisch und tumorassoziiert in mehreren Schritten zu aktivem 5-Fluorouracil.
- Ausscheidung: Primär renal (ca. 95 % als Metaboliten im Urin).
- Halbwertszeit: Ca. 0,75 bis 1,2 Stunden (Capecitabin) bzw. ca. 0,5 Stunden (5-FU).
- Wirkdauer: Abhängig von Therapieschema, meist intermittierende Zyklen á 3 Wochen.
Anwendung im Alltag & Best Practices (Österreich-Kontext)
- Typische Dosierung: Erwachsene erhalten, abgestimmt am Körperoberfläche (BSA), in der Regel 1.250 mg/m² 2-mal täglich (alle 12 Stunden) an 14 aufeinanderfolgenden Tagen, gefolgt von 7 Tagen Pause. Je nach Tumorart, Begleittherapie und Verträglichkeit Anpassung nötig.
- Filmtabletten ganz mit Wasser schlucken – nicht zerkauen, zerbrechen oder zermahlen.
- Capecitabin immer auf ärztliche Anweisung und nach pharmazeutischer Beratung einnehmen.
- Sehr wichtiger Hinweis: Während und nach Anwendung auf ausreichenden Sonnenschutz achten.
- Hinweis für Österreich: Medikamente idealerweise in der Stammapotheke oder online bestellen (eRezept-fähig).
Morgens vs. abends Einnahme – Vorteile, Tipps für Regelmäßigkeit
- Empfohlen wird die Einnahme morgens und abends im Abstand von ca. 12 Stunden – möglichst jeden Tag zu den gleichen Zeiten für bestmöglichen Wirkungserhalt.
- Vorteile morgens: Einhaltung der Compliance, Erinnerungswirkung mit anderem Alltagsablauf (z.B. Frühstück).
- Vorteile abends: Tabletteneinnahme vor dem Schlafengehen kann individuelle Unverträglichkeiten (z.B. Übelkeit am Morgen) umgehen.
- Tipp: Verwendung von Tablettenboxen oder Handy-Erinnerungen erhöht die Therapietreue (Adhärenz).
Einnahme zum Essen oder nüchtern – Wirkung und Ernährungstipps für Österreich
- Capecitabin sollte innerhalb von 30 Minuten nach einer Mahlzeit mit etwas Wasser eingenommen werden.
- Die Aufnahme ist nach dem Essen gleichmäßiger, das Nebenwirkungsprofil (vor allem Magen-Darm-Störungen) ist günstiger.
- Österreichische Kost: Auf schwer verdauliche Speisen, sehr fettige Gerichte und Alkohol möglichst verzichten, um die Verträglichkeit zu erhöhen.
- Empfohlen wird ein leichter Snack oder kleinere Mahlzeiten statt üppiger Mahlzeiten.
Wechselwirkungen (Lebensmittel, Alkohol, Medikamente)
| Interaktion | Beispiel | Empfehlung |
| Nahrungsmittel | Fettreiche/Faserreiche Kost | Kann Magenbeschwerden verstärken – besser leichte Mahlzeiten |
| Alkohol | Bier, Wein, Spirituosen | Meiden oder stark einschränken, da Leberbelastung & Nebenwirkungen zunehmen können |
| Medikamente | Antikoagulanzien, z.B. Warfarin | Blutungsrisiko erhöht, INR regelmäßig kontrollieren |
| Allopurinol | Gichtmittel | Wirksamkeitsminderung von Capecitabin |
| Antiepileptika | Phenytoin | Phenytoin-Spiegel steigt, Kontrolle erforderlich |
| Leber-Belastung | Paracetamol, andere Chemotherapeutika | Leberwerte engmaschig überwachen |
Indikationen (Zugelassen & Off-label)
| Indikation | Kurzbeschreibung |
| Mammakarzinom (Brustkrebs) | Fortgeschrittenes oder metastasiertes Stadium nach Versagen von Anthrazyklinen/Taxanen |
| Kolonkarzinom (Darmkrebs) | Adjuvante Therapie im Stadium III nach Operation |
| Kolorektales Karzinom (Mastdarmkrebs) | Fortgeschrittenes/metastasiertes Stadium |
| Off-label | Andere solide Tumore (z.B. Magen-, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Kopf-Hals-Tumore – nach individueller ärztlicher Entscheidung) |
Dosierung nach Indikation (Erwachsene, Kinder, Ältere)
| Patientengruppe | Standarddosis | Bemerkung |
| Erwachsene | 1.250 mg/m² 2× täglich für 14 Tage, dann 7 Tage Pause (zyklisch) | Dosisanpassung bei Nebenwirkungen/Leberschädigung nötig |
| Ältere (>65 Jahre) | Einstieg: Reduktion auf 75–100% | Sorgfältige Überwachung auf Nebenwirkungen empfohlen |
| Pädiatrie | Keine Zulassung, keine Sicherheit belegt | Off-label Anwendung nur in klinischen Studien |
| Niereninsuffizienz | Anpassung nach Kreatinin-Clearance | <30 ml/min: nicht empfohlen |
Sicherheitsprofil & Nebenwirkungen
Bitte wenden Sie sich bei schwerwiegenden oder ungewöhnlichen Beschwerden stets umgehend an Ihren Arzt oder Ihre Apotheke!
| Häufigkeit | Nebenwirkung | Beschreibung |
| Sehr häufig | Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Hand-Fuß-Syndrom (Hautrötung, Blasen an Händen/Füßen), Müdigkeit | Bei vielen Patient:innen, teils dosiskorrigierbar |
| Häufig | Stomatitis (Mundentzündung), Ausschlag, Haarausfall, Erhöhte Leberwerte | Regelmäßige Kontrolle empfohlen |
| Gelegentlich | Fieber, Infektionen | Sofortige Rücksprache bei Verschlechterung |
| Selten | Herzrhythmusstörungen, allergische Reaktionen, schwere Hautreaktionen | Notfallmaßnahme bei Beschwerden |
| Sehr selten | Pankreatitis, schweres Nierenversagen | Beobachtung der Symptome nach ärztlicher Absprache |
Ratschläge zur sicheren Anwendung (Apotheker-& Klinikhinweise speziell für Österreich)
- Nur unter ärztlicher Kontrolle einnehmen!
- Nicht eigenmächtig die Dosis ändern oder Therapie unterbrechen
- Regelmäßige ärztliche und laborchemische Kontrollen (Blutbild, Leber-/Nierenwerte)
- Berücksichtigung der österreichischen Leitlinien zur Antiemese & Prävention des Hand-Fuß-Syndroms
- Vermeidung von Unfallsituationen im Alltag (z.B. bei Schwächegefühl/Müdigkeit)
- Sicheren Umgang mit Rückständen (z.B. Tablettenreste – in der Apotheke zurückgeben)
Alternative Therapien (in Österreich erstattbar, Übersicht, Pro/Contra)
- 5-Fluorouracil (5-FU)–Infusion: Bewährte Standardtherapie, aber intravenös, häufige Arztbesuche nötig.
- Orale S-1 (Tegafur/Gimeracil/Oteracil): Alternative speziell für Magenkarzinom, nicht in jeder Indikation erstattungsfähig.
- Oxaliplatin-/Irinotecan-basierte Kombinationen: Meist bei fortgeschrittenen kolorektalen Karzinomen.
- Taxane (Docetaxel, Paclitaxel): Vor allem für Brustkrebs; indiziert je nach Tumorbiologie.
- Zielgerichtete Therapien (Trastuzumab, Bevacizumab): Bei spezifischer Eignung, teils hohe Kosten, aber bei gegebener Voraussetzung von der NFZ erstattungsfähig.
Rechtslage, Registrierung & Erstattung in Österreich
- Zulassung und Registrierung: Via Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES/URI) sowie EMA.
- Verschreibbarkeit: Rezeptpflichtig, z. T. Institutionsbindung (Sonderverordnungen/Onkologische Zentren).
- Erstattungsstatus: Aufnahme im Erstattungskodex des Dachverbands der Sozialversicherungsträger – bewilligungspflichtig für bestimmte Indikationen.
- eRezept-fähig: Ja, Abgabe über österreichisches E-Medikationssystem unterstützt.
- Generika-Verfügbarkeit: Ja, typische Preise und Verfügbarkeiten je nach Pharmaunternehmen leicht variierend.
Neueste Studien und klinische Bewertung (Stand 2022–2025)
- NSABP-C-07-Studie (2022): Bestätigt Vorteile der oralen Capecitabin-Monotherapie im adjuvanten Setting bei Kolonkarzinom im Vergleich zur klassischen 5-FU-Folfox-Infusion.
- German Breast Cancer Group – GBG-Studie (2023): Zeigt, dass Capecitabin-haltige Protokolle nach Taxan-/Anthrazyklin-Versagen einen Überlebensbenefit bieten können.
- AGO Empfehlungen (2024): Capecitabin bleibt Standardoption für palliative und adjuvante Therapie von Mammakarzinomen.
- EMA-Pharmakovigilanzbericht (2024): Unterstreicht Bedeutung engmaschiger Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenfunktion.
- Literatur: Nabholtz JM et al., Lancet Oncol 2023; AGO Empfehlungen 2024, Onkopedia Leitlinien, AGES Pharmainformationen.
Verfügbarkeit & Lieferung – Packungsgrößen & Lieferzeiten für Österreich
| Packungsgröße | Tablettenanzahl | Typischer Apothekenpreis (2024, indikativ) | Lieferzeiten (Wien, Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) |
| 150 mg | 60 | ca. 120–145 € (Kassenpatient reduziert) | Wien: 1–2 Werktage, Graz/Linz: 2–3 Werktage, Salzburg/Innsbruck: 2–4 Werktage |
| 500 mg | 120 | ca. 390–470 € (Kassenpatient reduziert) | Wien: 1–2 Werktage, Graz/Linz: 2–3 Werktage, Salzburg/Innsbruck: 2–4 Werktage |
Häufige Fragen (FAQ) & Antworten für Patient:innen
- Kann ich Capecitabin zusammen mit anderen Medikamenten einnehmen?
Informieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker über alle anderen Arzneimittel! Capecitabin kann die Wirkung vieler Medikamente beeinflussen, darunter Blutverdünner, Gichtmittel sowie Epilepsiemittel. - Was soll ich tun, wenn ich eine Dosis vergesse?
Nehmen Sie niemals die doppelte Menge ein. Überspringen Sie die vergessene Dosis und setzen Sie die Einnahme zum nächsten regulären Zeitpunkt fort. Bei Unsicherheiten Rücksprache mit Ihrer Apotheke oder Ihrem onkologischen Zentrum halten. - Kann ich während der Behandlung arbeiten/Auto fahren?
Bei starker Müdigkeit, Schwindel oder Nebenwirkungen empfiehlt sich, Maschinen und Fahrzeuge nicht zu bedienen. Klären Sie arbeitsrechtliche Fragen am besten vor Therapiebeginn mit Ihrem Onkologen. - Darf ich während der Therapie Schwangerschaft oder Stillen?
Nein – Capecitabin ist während Schwangerschaft und Stillzeit absolut kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen zuverlässige Verhütungsmethoden verwenden. - Wie lange ist die übliche Behandlungsdauer?
Das hängt von der zugrunde liegenden Krebserkrankung ab. Typische Therapieschemata umfassen mehrere Zyklen von jeweils drei Wochen. Die exakte Dauer legt Ihr Onkologe anhand Ihres Therapieansprechens fest.
Diese Information ersetzt nicht die individuelle Beratung durch Ärzt:innen und Apotheker:innen. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich jederzeit vertrauensvoll an Ihr pharmazeutisches Fachpersonal oder Ihre behandelnde onkologische Fachabteilung.