Temovate (Clobetasol) – Produktinformation für Patient:innen in Österreich
Grundlegende Produktinformationen
| Wirkstoff (INN) | Clobetasonpropionat (Clobetasolpropionat) |
| Markennamen in Österreich | Temovate, Dermovate, Clobegalen |
| ATC-Code | D07AD01 |
| Verfügbare Darreichungsformen & Stärken | Creme 0,05 %, Salbe 0,05 %, Lösung 0,05 % (je nach Hersteller) |
| Hersteller (Beispiele) | GlaxoSmithKline, Galenpharma, diverse Generika-Anbieter |
| Abgabestatus | Rezeptpflichtig (Verschreibungspflicht nach österreichischem Arzneimittelrecht) |
Wirkmechanismus
- Für Patient:innen: Clobetasol ist ein sehr stark wirksames Kortikosteroid. Es wirkt, indem es Entzündungen und Juckreiz auf der Haut rasch lindert. Dabei unterdrückt das Mittel körpereigene Abwehrreaktionen, die die Beschwerden auslösen.
- Für Fachkreise: Clobetasolpropionat bindet an zytoplasmatische Glucocorticoidrezeptoren, beeinflusst die Transkription antiinflammatorischer Proteine und hemmt zusammen mit Cofaktoren die Expression proinflammatorischer Zytokine. Dadurch verringert sich die Migration von Leukozyten und die Kapillarpermeabilität.
Pharmakokinetik
- Resorption: Systemische Aufnahme ist bei ordnungsgemäßer Anwendung begrenzt (ca. 3–15 % der Dosis, Erhöhung bei abgedeckter Haut, großflächiger Applikation oder langer Anwendungsdauer möglich). Kinder und Personen mit geschädigter Haut nehmen mehr Wirkstoff systemisch auf.
- Metabolismus: Nach dermaler Aufnahme ausgeprägte hepatische Metabolisierung zu inaktiven Metaboliten.
- Ausscheidung: Hauptsächlich renal über die Nieren; geringe Anteile biliär.
- Wirkdauer: Lokale Wirkdauer 12 – 24 Stunden; systemische Effekte bei sorgfältiger Anwendung sehr gering.
Anwendung im Alltag & bewährte Praktiken
- Typische Dosis: 1-2 mal täglich eine dünne Schicht auf die betroffenen Hautstellen auftragen, nicht länger als vom Arzt verordnet (meist 2–4 Wochen am Stück).
- Keinesfalls auf große Flächen (>10 % Körperoberfläche), offene Wunden, im Gesicht oder auf Schleimhäuten ohne ärztliche Empfehlung anwenden.
- Nach Anwendungsende stets Hände gründlich waschen.
- Temovate sollte nicht als „Pflegecreme“ verstanden, sondern ausschließlich als Arzneimittel verwendet werden.
- Bewahren Sie das Präparat außerhalb der Reichweite von Kindern an einem trockenen Ort bei Zimmertemperatur auf.
Morgens oder abends anwenden?
- Vormittags: Vorteilhaft, wenn nachfolgend keine Okklusionskleidung oder Handschuhe getragen werden. Im Alltag praktikabel im Rahmen der Morgenroutine.
- Abends: Kann nach dem Duschen oder abendlicher Routine erfolgen. Z. B. für Patient:innen mit starker Berufsaussetzung oder wenn Kleidung Schutz vor Verreiben bietet.
- Tipp zur Regelmäßigkeit: Am besten immer zur selben Zeit auftragen, damit die Wirksamkeit gleichmäßig bleibt und eine Überdosierung vermieden wird.
Anwendung in Bezug auf Mahlzeiten (Österreichische Essgewohnheiten)
- Temovate ist ausschließlich zur äußerlichen Anwendung bestimmt – Ernährung oder Essenszeiten haben keinen Einfluss auf die Wirkung.
- Bei Verwendung im Bereich der Hände ca. 30 Minuten nach der Anwendung keine Lebensmittel zubereiten oder essen, um orale Aufnahme zu verhindern.
- Clobetasol gelangt bei sachgemäßer Anwendung kaum in den Organismus, die typische österreichische Ernährung (fettreich oder ballaststoffreich) spielt für die Wirksamkeit keine Rolle.
Wechselwirkungen und Interaktionen
| Substanz/Produkt | Wechselwirkungsrisiko |
| Alkohol (topisch/Oral) | Keine bekannte Wechselwirkung; aber Alkohol kann Hautreizungen verstärken. |
| Andere topische Kortikosteroide | Kann Effekte und Nebenwirkungen addieren – parallele Anwendung vermeiden! |
| Immunsuppressiva (z.B. Methotrexat, Ciclosporin) | Systemische Immunsuppression möglich, bei großflächiger Anwendung Rücksprache mit dem Arzt. |
| Grapefruitsaft, Johanniskraut | Können bei systemischer Aufnahme Stoffwechsel beeinflussen – im Regelfall irrelevant bei topischer Anwendung. |
Indikationen
| Indikation | Status (Österreich) |
| Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis) | Offizielle Indikation |
| Schwere Ekzeme (z.B. atopische Dermatitis, Neurodermitis) | Offizielle Indikation |
| Kontaktekzeme, allergisch oder irritativ | Offizielle Indikation |
| Lichen planus und Lichen simplex chronicus | Off-Label, aber etabliert |
| Discoider Lupus erythematodes (kutane Formen) | Off-Label, nach fachärztlicher Konsultation |
Dosierung nach klinischer Indikation (Erwachsene, Kinder & Ältere)
| Indikation | Erwachsene | Kinder (>12 Jahre) | Säuglinge/Kleinkinder (<12 Jahre) | Ältere Patient:innen |
| Psoriasis, Ekzeme | 1–2x täglich dünn; max. 50g/Woche | 1x täglich, kurze Anwendungsdauer | Nur nach Rücksprache, bevorzugt Alternative | Sparsame Anwendung, niedrigste wirksame Dosis |
| Lichen planus/Discoider Lupus | 1–2x täglich, max. 4 Wochen | Nur auf ärztliche Anordnung | Keine Standardanwendung | Wie Erwachsene, aber häufigere Verlaufskontrollen |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
- Häufig: Hautatrophie, Trockenheit, Brennen, Juckreiz, leichte Irritationen, Teleangiektasien.
- Gelegentlich: Striae (Dehnungsstreifen), Hypertrichose (vermehrter Haarwuchs), Kontaktdermatitis.
- Selten: Systemische Effekte (z.B. Nebennierenrindensuppression, Cushing-Syndrom – bei Langzeitanwendung/großflächiger Anwendung), periorale Dermatitis, Akne, Hypopigmentierung.
- Warnhinweise: Ophthalmologische Risiken bei Anwendung nahe am Auge, erhöhtes Infektionsrisiko, Rebound-Erscheinungen nach abruptem Absetzen, Überempfindlichkeitsreaktionen.
| Häufigkeit | Beispielhafte Nebenwirkung |
| Sehr häufig (>10%) | Hautbrennen, Juckreiz |
| Häufig (1-10%) | Hautverdünnung, Trockenheit |
| Selten (<1%) | Systemische Kortikoid-Nebenwirkungen |
| Sehr selten (<0,1%) | Überempfindlichkeitsreaktionen |
Ratschläge zur richtigen Anwendung (Apotheker- & Praxis-Tipps für Österreich)
- Vor der ersten Anwendung Haut reinigen und sanft abtrocknen.
- Fingerkuppen-Regel beachten: Maximal ein längerer Streifen (1 Fingerkuppe = ca. 0,5 g) pro Handfläche großem Hautareal verwenden.
- Produkt nicht länger als ärztlich verordnet einsetzen, oft reichen wenige Tage/Wochen aus.
- Kinder und ältere Menschen benötigen besonders wenig und schwächer dosierte Präparate.
- Bei Anzeichen von Infektionen (z.B. Rötung, Eiter, Wärme) Anwendung sofort pausieren und ärztlich abklären lassen.
- Im Sommer auf Sonnenschutz achten, da Kortikoide die Lichtempfindlichkeit erhöhen können.
- Applikation nach dem Duschen bevorzugen, weil die Aufnahme verbessert ist.
Alternative Behandlungsmöglichkeiten (Erstattet durch österreichische Sozialversicherung)
- Mometason (Elocom): Starkes Kortikosteroid – ähnliche Anwendungen, meist für weniger schwere Fälle gewählt.
- Betamethason (Betnovate u.a.): Stark, aber meist weniger potenter als Clobetasol; breiter Einsatzbereich.
- Calcineurininhibitoren (Tacrolimus, Pimecrolimus): Besonders geeignet bei empfindlichen Arealen (Gesicht, Intertriginös), kein Atrophierisiko, aber häufiger Juckreiz und Brennen.
- Phototherapie: Bei Psoriasis und atopischer Dermatitis bei ungenügender lokaler Therapie, auf Zuweisung.
- Kombination mit Pflegecremes (z. B. medizinische Basispflege): Unterstützt Hautbarriere ohne Kortikosteroidrisiken.
Vor- und Nachteile: Clobetasol wirkt besonders stark, sollte jedoch nur im Ausnahmefall längerfristig angewendet werden. Alternativen sind oft besser für langanhaltende Behandlungen oder empfindliche Hautpartien geeignet.
Juristischer Status, Zulassung und Erstattung in Österreich
- Clobetasolpräparate sind in Österreich von der AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit zugelassen.
- Rezeptpflichtig: Abgabe nur auf ärztliche Verschreibung.
- Erstattung: Für schwere, therapieresistente Ekzeme und Psoriasis-Präparate ist die Kostenübernahme durch die österreichischen Sozialversicherungsträger (ÖGK, SVS, BVAEB) in bestimmten Fällen gegeben – üblicherweise mit chefärztlicher Bewilligung (z. B. Off-label-Use bei Lichen planus).
- Gefahrstoff/Hinweis gemäß AMG: Nur zur äußerlichen Anwendung, keine Verwendung an Augen/Schleimhäuten.
Aktueller Stand der Forschung und klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Die deutsche Leitlinie zur atopischen Dermatitis (S2k, 2024) empfiehlt Clobetasol als kurzfristige Option bei schweren, lokalisierten Schüben, nach Versagen mittelstarker Kortikosteroide.
- Internationale Metaanalysen zeigen wirksame Besserung von Psoriasis und chronischen Ekzemen, betonen jedoch Atrophierisiko und raten zur regelmäßigen Verlaufskontrolle (European Dermatology Forum, 2023).
- Neue Studien (z. B. British Journal of Dermatology 2023) bestätigen Sicherheit bei kurzer Anwendung (max. 4 Wochen), betonen aber die Notwendigkeit, stärkere Präparate nur als Übergangslösung einzusetzen.
- Tendenz zu "Steroid-Sparing"-Therapien, insbesondere bei Kindern, Schwangeren und im Gesicht.
Verfügbarkeit & Lieferzeiten
| Packungsgröße | Preis (ca.) | Lieferzeit – Wien | Lieferzeit – Graz | Lieferzeit – Innsbruck |
| 30g | ca. 27 € | 1 Tag | 1–2 Tage | 2 Tage |
| 100g | ca. 63 € | 1–2 Tage | 2 Tage | 2–3 Tage |
Hinweis: Preise und Lieferzeiten können je nach Apotheke, Lagerbestand und Bestellzeitpunkt variieren. Für seltene Darreichungsformen kann die Lieferzeit bis zu 4 Tage betragen.
FAQ – Häufige Patientenfragen & Antworten
- Wie lange darf ich Temovate (Clobetasol) anwenden?
Meistens sollten Sie das Präparat nicht länger als 2–4 Wochen am Stück anwenden. Bei längerer Therapie bitte ärztlich Rücksprache halten. - Darf ich Temovate auf offenen Wunden oder im Gesicht benutzen?
Nein, nur auf intakter Haut und nach Verschreibung. Für Gesicht, Genitalbereich oder offene Wunden gibt es risikoärmere Alternativen. - Kann ich während der Behandlung normal duschen oder schwimmen?
Ja, Sie können duschen. Tragen Sie das Produkt jedoch erst nach dem Duschen auf. Vermeiden Sie direkte Wasserabspülung der behandelten Areale unmittelbar nach Applikation. - Ist Temovate für Kinder geeignet?
Grundsätzlich nur nach ärztlicher Empfehlung und im Ausnahmefall zur kurzfristigen Anwendung gedacht. Kindgerechte Alternativen sind meist besser geeignet. - Was tun bei Nebenwirkungen wie Hautrötung oder Brennen?
Bei starken oder anhaltenden Nebenwirkungen die Anwendung abbrechen und schnellstmöglich die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt kontaktieren.
Wichtiger Hinweis: Diese Angaben ersetzen nicht das ärztliche Beratungsgespräch. Wenden Sie sich für individuelle Empfehlungen stets an Ihre Apotheke oder Ihren Hautarzt/Ihre Hautärztin!