Augmentin® (Amoxicillin/Clavulansäure): Umfassende Information für Patienten in Österreich
Grundlegende Produktinformation
| Internationaler Freiname (INN): | Amoxicillin/Clavulansäure |
| Markenname in Österreich: | Augmentin® (häufigste), Curam®, Amoclav®, AmoxiClav® |
| ATC-Code: | J01CR02 |
| Verfügbare Darreichungsformen und Stärken: |
|
| Hersteller: | GlaxoSmithKline (GSK), Sandoz Austria, diverse Generikahersteller |
| Verschreibungsstatus: | Rezeptpflichtig (verschreibungspflichtig gemäß österreichischem Arzneimittelgesetz) |
| Erstattung durch die österreichische Krankenversicherung: | Ja, bei medizinischer Notwendigkeit laut EKO (Erstattungskodex) |
Wirkmechanismus
Einfache Erklärung: Augmentin® kombiniert zwei Wirkstoffe: Amoxicillin (ein Antibiotikum aus der Gruppe der Penicilline) und Clavulansäure (ein β-Lactamase-Hemmer). Amoxicillin tötet Bakterien ab, indem es deren Zellwände zerstört. Clavulansäure schützt Amoxicillin vor bestimmten bakteriellen Abwehrmechanismen (β-Lactamasen), sodass das Antibiotikum auch gegen resistente Erreger wirksam ist.
Für Fachkreise: Amoxicillin inhibiert die Transpeptidase-Aktivität bakterieller Penicillin-bindender Proteine (PBPs). Clavulansäure, ein β-Lactamase-Inhibitor, erweitert das Spektrum auf β-Lactamase-bildende Stämme. Die Kombination ist bakteriell zytotoxisch, insbesondere gegen viele grampositive und einige gramnegative Bakterien.
Pharmakokinetik
- Resorption: Amoxicillin wird nach oraler Gabe rasch aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert, die Bioverfügbarkeit liegt bei ca. 70–88%. Clavulansäure weist eine ähnliche Resorption auf.
- Verteilung: Gute Gewebeverteilung (HNO-Bereich, Bronchien, Urin, Haut), Plazentagängigkeit, geringe Proteinbindung (~18%).
- Metabolismus: Amoxicillin wird teils in der Leber metabolisiert, Clavulansäure umfangreicher.
- Elimination: Hauptsächlich renal (über die Niere) ausgeschieden. Ca. 60–70% des Amoxicillins werden unverändert im Urin gefunden.
- Wirkdauer: Halbwertszeit ca. 1–1,5 Stunden, Dosierungsintervall meist 8–12 Stunden.
Anwendung im Alltag und bewährte Praktiken
Empfohlene Dosierung für Erwachsene: Üblicherweise 875 mg/125 mg Filmtabletten 2-mal täglich oder 500 mg/125 mg 3-mal täglich – je nach Schwere und Art der Infektion.
Für Kinder: Dosierung nach Körpergewicht, meist als Suspension, gemäß ärztlicher Anweisung.
- Arzneimittel nur auf ärztliche Verordnung und so lange wie vorgeschrieben einnehmen, auch wenn die Beschwerden bereits früher abklingen.
- Die Tabletten sollten mit ausreichend Flüssigkeit geschluckt werden.
- Bei vergessener Einnahme: Morgens und abends (alle 12 Stunden) regelmäßige Einnahme fördert die Wirksamkeit.
- Suspension stets gut schütteln und vor Gebrauch auf das richtige Dosiermaß achten.
- Antibiotika niemals mit anderen teilen oder auf eigene Faust einsetzen.
Dosierung morgens vs. abends – Tipps zur Einnahmeregelmäßigkeit
Eine regelmäßige Einnahme im Abstand von 8 oder 12 Stunden ist entscheidend für die Wirksamkeit. Ob morgens oder abends begonnen wird, ist weniger wichtig als die Einhaltung der festen Intervalle. Viele Patienten empfinden eine Einnahme zu den Hauptmahlzeiten am praktischsten (z. B. Frühstück und Abendessen).
- Vorteile Morgeneinnahme: Weniger Vergessen, Integration in die Frühstücksroutine.
- Vorteile Abendeinnahme: Für berufstätige Patienten bequemer, weniger Einfluss auf Tagesablauf.
- Hinweis: Bei Einnahme alle 12 Stunden: Möglichst feste Zeiten wählen (z.B. 7 Uhr und 19 Uhr).
Einnahme zu den Mahlzeiten oder nüchtern
Die Einnahme von Augmentin® kann mit oder ohne Nahrung erfolgen. Die Verträglichkeit wird jedoch verbessert, wenn die Tabletten/Suspension zu Beginn einer Mahlzeit eingenommen werden – so können Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Übelkeit, Durchfall) verringert werden. In Österreich empfiehlt es sich aufgrund der verbreiteten Brotzeit-Kultur, das Medikament direkt mit dem Frühstück oder Abendessen einzunehmen.
Wechselwirkungen und Warnhinweise
| Wirkstoff/Lebensmittel | Interaktion |
|---|---|
| Probenecid | Verzögerte Ausscheidung von Amoxicillin, erhöhte Plasmaspiegel. |
| Allopurinol | Erhöhtes Risiko für Hautausschläge. |
| Orale Antikoagulantien (z.B. Warfarin) | Veränderung der Blutgerinnung möglich, engmaschige Kontrolle durch den Arzt nötig. |
| Andere Antibiotika (z.B. Tetracycline) | Wirkungsabschwächung möglich. |
| Lebensmittel (Milchprodukte) | Kein wesentlicher Einfluss. |
| Alkohol | Keine direkte Wechselwirkung, jedoch sollte Alkohol während Antibiotika-Einnahme gemieden werden, um die Leber nicht zusätzlich zu belasten. |
Indikationen (Heilanzeigen)
| Indikation | Offiziell (Fachinformation) | Off-Label |
|---|---|---|
| Mittelohrentzündung (Otitis media) | Ja | Nein |
| Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) | Ja | Nein |
| Akute Bronchitis, Verschlechterung chronischer Bronchitis | Ja | Nein |
| Lungenentzündung (Pneumonie, ambulant erworben) | Ja | Nein |
| Harnwegsinfektionen | Ja | Nein |
| Haut- und Weichteilinfektionen | Ja | Nein |
| Bisswunden, Zahninfektionen | Ja | Nein |
| Lyme-Borreliose, Helicobacter-Eradikation | Nein | Ja (im Einzelfall, ärztliche Rücksprache) |
Dosierungsübersicht nach Indikation und Alter
| Patientengruppe | Standarddosierung | Hinweise |
|---|---|---|
| Erwachsene | 875 mg/125 mg 2-mal täglich oder 500 mg/125 mg 3-mal täglich | Je nach Schweregrad, mind. 5–7 Tage |
| Kinder (bis 40 kg) | 20–40 mg/5–10 mg pro kg KG pro Tag in 2–3 Dosen, als Suspension (z.B. 400/57 mg/5 ml Suspension) | Gewichtsabhängig, Dosierlöffel/Spritze verwenden |
| Ältere Patienten | Wie Erwachsene, ggf. Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz | Regelmäßige Überwachung der Nierenfunktion |
| Niereninsuffizienz | Dosisanpassung erforderlich | Ärztliche Rücksprache zwingend |
Sicherheitsprofil und Nebenwirkungen
| Häufigkeit | Typische Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig (≥1/10) | Durchfall, weicher Stuhl |
| Häufig (1/10–1/100) | Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag, Nesselsucht, Pilzinfektion (Mund, Intimbereich) |
| Gelegentlich (1/100–1/1000) | Schwindel, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, erhöhte Leberwerte |
| Selten (≤1/1000) | Allergische Reaktionen (z. B. Schwellungen, Atemnot), Leberentzündung, Krampfanfälle bei schwerer Niereninsuffizienz |
| Sehr selten (<1/10.000) | Blutbildveränderungen (z.B. Thrombozytopenie), Stevens-Johnson-Syndrom |
Warnhinweise: Bei Anzeichen einer schweren allergischen Reaktion (Schwellung, Atemprobleme, Ausschlag am ganzen Körper) sofort ärztliche Hilfe holen! Bitte informieren Sie Ihren Arzt über jegliche Arzneimittelunverträglichkeit.
Anwendungshinweise für Österreich
- Antibiotika-Kuren keinesfalls eigenmächtig abbrechen – Resistenzgefahr!
- Bei Durchfall: Viel trinken, ggf. Rücksprache bezüglich Probiotika (Joghurt, fermentierte Milchprodukte nutzen; diese Produkte sind Bestandteil vieler österreichischer Ernährungsgewohnheiten).
- Tabletten nicht zerbeißen! Suspensionen exakt nach Anleitung mischen und dosieren.
- Lagern Sie die Suspension im Kühlschrank und schütteln Sie diese vor jedem Gebrauch.
- Kontrollieren Sie regelmäßig das Verfallsdatum und retournieren Sie abgelaufene Medikamente in der Apotheke.
Behandlungsalternativen (Erstattung durch österreichische Sozialversicherung)
- Penicilline ohne Clavulansäure (z.B. Amoxicillin alleine): Häufig bei unkomplizierten Infektionen ausreichend; geringere Nebenwirkungsrate.
- Cefalosporine (z.B. Cefuroxim): Ähnliches Anwendungsspektrum, häufig bei Penicillinallergie.
- Makrolide (z.B. Clarithromycin, Azithromycin): Geeignet bei Penicillinunverträglichkeit oder bestimmten Atemwegsinfekten.
- Fosfomycin (z.B. bei Harnwegsinfekten): Einzeldosis-Therapie, speziell für Frauen.
- Trimethoprim/Sulfamethoxazol: Spezifische Indikationen, Resistenzentwicklung beachten.
Vergleich: Augmentin® deckt einen besonders breiten Erregerspektrum ab – insbesondere bei Verdacht auf β-Lactamase-bildende Erreger. Viele Alternativen sind wirksam, wenn keine Resistenzen nachgewiesen sind oder spezielle Allergien bestehen.
Rechtslage, Registrierung & Erstattung in Österreich
- Rezeptpflicht: Augmentin® ist in Österreich verschreibungspflichtig!
- Registrierung: Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG/AGES Med Austriacum).
- Erstattung: Für die meisten bakteriellen Infektionen gelistet im EKO (Erstattungskodex der Sozialversicherungsträger, z.B. ÖGK, BVAEB, SVS).
- Apothekenpflicht: Bezug ausschließlich über öffentliche Apotheken oder Krankenhausapotheken.
Aktuelle Forschung & klinische Empfehlungen (2022–2025)
- Zunehmende Resistenzentwicklung bei Haemophilus influenzae und Streptococcus pneumoniae – rationale Anwendung und Anpassung nach Antibiogramm ist empfohlen. (Quelle: Österreichische Gesellschaft für Infektionskrankheiten, Empfehlungen 2022-2025)
- Deprescribing im Rahmen der „Antibiotic Stewardship“-Initiative: Verzicht auf unnötige Anwendung, Dosierung gemäß Körpergewicht und Nierenfunktion.
- Empfohlene Kurzzeittherapie (5 Tage) bei unkomplizierten Erkrankungen der oberen Atemwege (z. B. Sinusitis, Otitis media) laut AWMF-Leitlinie und ECDC Guidance.
(Ausgewählte Literatur: AWMF S3-Leitlinie „Ambulant erworbene Pneumonie“, 2023; Österreichische Antibiotika-Verbrauchsstatistik, AGES 2024; ECDC Annual Report 2024.)
Verfügbarkeit & Lieferung
Alle aufgeführten Formen sind in Österreichs Apotheken vorrätig. Die Preise variieren je nach Packungsgröße und Kassenleistung.
| Packung | Indikativer Apothekenpreis (2024, €) | Lieferzeit (Graz, Wien, Linz, Innsbruck, Salzburg) |
|---|---|---|
| Augmentin® 875 mg/125 mg 20 Stück | ca. 32,80 € | 1–2 Werktage |
| Augmentin® 500 mg/125 mg 20 Stück | ca. 27,50 € | 1–2 Werktage |
| Augmentin® 400/57 mg/5 ml Suspension 70 ml | ca. 17,90 € | 1–3 Werktage |
| Generika (z.B. Sandoz, Stada) 20 Stück | je nach Hersteller oft günstiger | 1–2 Werktage |
Lieferung innerhalb einer Stadt erfolgt meist noch am selben Tag, ansonsten bis zu 3 Werktage über Apothekenzustellung oder Online-Apotheken. Es besteht eine gesetzliche Regulierung für Versandapotheken entsprechend dem österreichischen Arzneimittelgesetz.
FAQ – Häufig gestellte Patientenfragen
- Was muss ich tun, wenn ich eine Einnahme vergesse?
Nehmen Sie die vergessene Dosis so bald wie möglich ein. Überspringen Sie die vergessene Dosis, wenn es fast Zeit für die nächste Einnahme ist. Verdoppeln Sie niemals die Dosis! - Darf ich während der Therapie Alkohol trinken?
Alkohol ist nicht direkt kontraindiziert, aber zur Schonung von Leber und Darm empfiehlt es sich, in der Antibiotikatherapie auf Alkohol zu verzichten. - Was kann ich gegen Durchfall während der Einnahme tun?
Trinken Sie viel, verzichten Sie auf stark blähende Speisen, ggf. Rücksprache mit Ihrem Arzt bezüglich Probiotika (z. B. Joghurt, Kefir). - Kann ich Augmentin® bei Penicillin-Allergie nehmen?
Nein, bei bekannter Penicillinallergie darf Augmentin® nicht angewendet werden! Bitte informieren Sie unbedingt Ihren Arzt. - Darf ich Auto fahren, solange ich Augmentin® einnehme?
Das Medikament beeinflusst in der Regel nicht Ihre Verkehrstüchtigkeit. Bei Nebenwirkungen wie Schwindel sollte jedoch auf das Auto- oder Radfahren verzichtet werden.

